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Donnerstag, 08 Januar 2015 00:00

Die Rolle alternativer Antriebe in der Mietwagen- und Carsharing-Branche

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Alternative Antriebe sind wichtig für die Zukunft der Mobilität. Auch wenn die Preise für Benzin und Diesel derzeit auf einem Rekordtief sind, ist die Umstellung auf alternative Antriebe auf lange Sicht unumgänglich. Das hat auch die Bundesregierung begriffen und im Bereich Elektromobilität als Ziel bis 2020 eine Millionen E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen angegeben. Die derzeitige Zahl der angemeldeten Elektrofahrzeuge Anfang Dezember 2014, 24.000 zugelassene E-Fahrzeuge laut der Nationalen Plattform Elektromobilität, zeugt jedoch davon, dass sich das Ziel in weiter Ferne befindet.

Dabei sind die Deutschen alternativen Antrieben gegenüber durchaus aufgeschlossen. Wie eine Studie der Hochschule Ludwigshafen am Rhein von Anfang 2014 belegt, bewerten 80 Prozent ihre Einstellung zur Elektromobilität als positiv. Jedoch weist die Studie auch auf die Problematik hin, mit der die Bundesregierung zu kämpfen hat: die Kaufbereitschaft. So signalisieren nur 29 Prozent der befragten Männer eine Kaufbereitschaft. Bei Frauen waren es sogar nur 19 Prozent. Neben den noch hohen Anschaffungskosten der Stromfahrzeuge und der beschränkten Reichweite, ist die Erfahrung mit und das Wissen um die Elektromobilität noch sehr gering wie die Studie bestätigt. Dies ist sicherlich ein Faktor, der zu Unsicherheiten führt.

Auch Erdgas als Antrieb für Fahrzeuge hat in Deutschland noch einen schweren Stand. Zwar gibt es derzeit deutlich mehr angemeldete Erdgasfahrzeuge (alleine 79.065 im Januar 2014). Jedoch besteht noch immer eine unzureichende Infrastruktur (deutschlandweit nur etwa 900 Erdgastankstellen im Vergleich zu etwa 14.500 für Diesel und Benzin), weshalb auch die Anzahl der Fahrzeuge mit dieser Antriebsart nicht in dem Maße wächst, wie es wünschenswert wäre.

Aus diesem Grund lohnt es sich, Alternativen mit Hinblick auf die Förderung alternativer Antriebe zu diskutieren. In diesem Zusammenhang wäre die Mietwagenindustrie sicherlich ein hilfreicher Bereich. Schließlich bietet sich bei einem Mietwagen die Möglichkeit, Menschen unverbindlich mit der neuen Technologie vertraut zu machen, positive Erfahrungen zu ermöglichen und somit eine stärkere Begeisterung zu schaffen.

Zu diesem Zweck macht es Sinn, nicht nur den derzeitigen Anteil alternativer Antriebe (Erdgas, Elektro) der Flotte von Mietwagenfirmen zu betrachten. Es ist ebenfalls wichtig, sich mit den Hindernissen, Fördermöglichkeiten sowie dem Einfluss der Politik zu befassen. Diesen Fragen sind wir mithilfe der Experten Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität e.V., sowie Christian Laberer, Fachreferent für Umwelt und Verkehrsgeographie des ADAC, nachgegangen.

Christian LabererKurt Sigl
Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes für eMobilität e.V.Christian Laberer, Fachreferent für Umwelt und Verkehrsgeographie des ADAC

Der derzeitige Stand

Basierend auf den Recherchen von Leihwagenversicherung.de spielen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bei Mietwagenfirmen - abgesehen von Prestigeprojekten mit geringer Anzahl an Fahrzeugen - derzeit keine übergeordnete Rolle. Verlässliche Zahlen gibt es zwar keine, jedoch lassen die geringe Menge an Informationen gepaart mit stichprobeartigen Anfragen den Schluss zu, dass alternative Fahrzeuge nicht flächendeckend in den Flotten integriert sind.

Bei Carsharing Angeboten sieht die Situation positiver aus. So scheinen laut Elektroauto-News bis Ende 2013 etwa 6.000 Elektrofahrzeuge von Carsharing-Firmen angeboten worden zu sein. Es ist klar, dass sich damit nicht von einer flächendeckenden Nutzung sprechen lässt. Jedoch scheinen Elektromobilität und Erdgas Fahrzeuge in dieser Branche eine größere Rolle zu spielen als in der Mietwagenbranche.

Carsharing Angebote in Deutschland© www.elektroauto-news.net

Was hält die alternative Mobilität auf?

In Anbetracht der noch geringen Nutzung stellt sich natürlich die Frage, inwieweit eine verstärkte Investition in alternative Mobilität von der Mietwagenbranche selbst gewünscht ist. Der Präsident des Bundesverbandes eMobilität sieht von Seiten der Leihwagenfirmen kein gesteigertes Interesse an Elektromobilität.

„Die Automobilverleiher zeigen ja auch im Moment ganz klar und deutlich mit Werbekampagnen, dass sie es auch gar nicht wollen“, so Herr Sigl. Er nennt als Beispiel eine Werbekampagne von Sixt am Münchener Flughafen, bei der Auspuffrohre abgebildet sind und die durch den Slogan „Lassen Sie von sich hören!“ mit den Auspuffgeräuschen Werbung machen.

Sixt Werbung am Flughafen München© Sixtblog

Das Problem für Mietwagenfirmen in Bezug auf Erdgasautos ist laut Herrn Laberer auch die zu geringe Reichweite: „Das Entscheidende bei Mietwagen ist die Reichweite, wobei sich der Kunde wohl gerade in dem Bereich noch weniger mit dem Thema „Wo tanke ich jetzt nach?“ auseinandersetzen möchte.“ Da das

Erdgastankstelle© Louis Bafrance via wikipedia CC BY-SA 3.0

Tankstellennetz für Erdgas wie oben erwähnt noch sehr dünn ist, stellt das Betanken somit eine größere Herausforderung dar. Herr Laberer sieht dennoch eine Möglichkeit für Mietwagenfirmen, die Reichweite aktiv in den Mietprozess einzubinden: „Wenn der Kunde bei der Buchung angibt, eine bestimmte Anzahl an Kilometer zu fahren, dann könnte die Mietwagenfirma ihm das Angebot nahelegen, dafür ein Elektrofahrzeug zu nutzen. Vielleicht könnte man das auch preislich attraktiver machen.“

Unsicherheiten

Herr Sigl erklärt aber, dass die Handlungsmöglichkeiten der Mietwagenfirmen extrem durch das Angebot der Automobilindustrie beschränkt sind: „Die Mietwagenfirmen springen auf die Züge auf, die die Autoindustrie vorgibt.“ Das bedeutet, dass sie von der Auswahl an und den Preisen der Elektroautos abhängig sind, die von der Automobilindustrie vorgegeben werden. Das Problem ist zum Einen der hohe Konkurrenzdruck, der Investitionen in teure Elektroautos schwer durchsetzbar macht. Zum Anderen hängt es mit fehlendem Wissen in Bezug auf den Wert des Akkus zusammen „Und es funktioniert deswegen nicht, weil man die Restwertkalkulationen der Elektroautos nicht im Griff hat.“ Herr Sigl erklärt, dass viele Mietwagenfirmen nur unzureichend darüber informiert sind, welchen Restwert das Elektroauto und insbesondere der Akku haben. Dadurch wird der Wertverlust des Fahrzeuges nach der Anschaffung als zu hoch angesetzt, was einen Kauf für den Verleih nicht lukrativ erscheinen lässt.

Elektro Akku des Nissan Lear im Querschnitt© Mariordo via wikipeida CC BY 2.0

Verantwortlich dafür sei unter anderem die Verunsicherung durch die Automobilindustrie in Bezug auf den Preis des Akkus. Herr Sigl betont, dass die Autoindustrie den Einkaufspreis des Akkus als Grund für den hohen Endpreis eines Elektroautos benutzt. Dies führe dazu, dass Käufer vom Kauf eines E-Fahrzeugs abgehalten werden. Dabei sei der Stromspeicher längst nicht mehr so teuer, wie von der Branche angegeben. „Haben Sie einen Kilowattakku noch vor vier Jahren für 800-900 Euro oder sogar mehr eingekauft, sind sie jetzt bei einem Einkaufspreis, der sich um die 200 Euro bewegt“, erklärt Herr Sigl.

Positiv erwähnt Herrn Sigl, dass durch Versicherungen keine Fehleinschätzung der Sicherheitsrisiken durch Stromfahrzeuge betrieben wird: „Die Versicherungen, haben wir festgestellt, sind relativ flexibel. Die sehen auch kein großes Risikopotenzial darin.“ Jedoch scheinen noch Unsicherheiten über die Versicherung der Akkumulatoren an sich zu bestehen. „Noch ist oft unklar, ob diese Lithium-Ionen-Akkus bereits direkt beim Händler zu versichern sind oder Reparatur und Ersatz in den üblichen Leistungsrahmen einer Kfz-Police fallen sollen“, so Roman Wagner, Kfz-Versicherungsexperte bei CosmosDirekt. Höhere Prämien könnten ein weiterer Grund dafür sein, warum die Mietwagenindustrie so verhalten ist. Herr Laberer hierzu: „Es ist sicherlich denkbar, dass sich die noch unzureichende Erfahrung mit Elektromobilität in höheren Versicherungsprämien niederschlagen kann. Das ist bei Innovationen häufig der Fall.“

In Bezug auf alternative Antriebe sieht Herr Laberer Carsharing deutlich im Vorteil. Auf die Frage, ob er eine Verbreitung von alternativen Antrieben sieht, antwortet er: „Eher bei Carsharing als bei Mietwägen, da ich da nicht die Distanzen und nicht das Problem der noch geringen Reichweite von Elektrofahrzeugen oder zu dünnen Infrastruktur der Erdgasladesäulen habe.“ Jedoch ist für Herrn Sigl auch dort für E-Mobilität die Problematik der Infrastruktur gegeben: „Carsharing funktioniert ja, nur nicht mit Elektromobilen, weil die Ladeinfrastruktur entweder nicht funktioniert oder nicht vorhanden ist.“

Politische Maßnahmen

Wie reagiert die Politik auf diese Herausforderungen? Damit die Tankstelleninfrastruktur wachsen kann, müssen Anreize geschaffen werden. Für Erdgas (CNG) bedeutet das konkret steuerliche Vergünstigungen für den Energieträger als Treibstoff. Derzeit bestehen diese noch bis Ende 2018. Um ein solides Tankstellennetz für die Zukunft zu fördern, bedarf es laut Herrn Laberer verbindliche Zusagen aus der Politik für die Zukunft von Erdgas: „In Bezug auf das Tankstellennetz für Erdgasfahrzeuge ist die nicht erfolgte Einigung in Bezug auf die Verlängerung der Steuervergünstigung für den Treibstoff sicherlich hinderlich, gerade da in dem Bereich Planungssicherheit ganz wichtig ist.“ Das heißt, dass eine Verlängerung der Begünstigung über 2018 hinaus notwendig ist, um nachhaltige Investitionen in Erdgastankstellen anzutreiben.

Die Bundesregierung hat Ende September das Elektromobilitätsgesetz beschlossen, welches insbesondere durch folgenden Maßnahmen für mehr Stromer auf deutschen Straßen sorgen soll:

  • Nutzung von Busspuren durch Elektrofahrzeuge
  • Sonderparkregelungen für Elektroautos
  • Aufhebung von Zufahrtsbeschränkungen

Diese Maßnahmen sind für Kommunen nicht verpflichtend, sollen ihnen aber die Handlungs-spielräume geben, im eigenen Ermessen zu handeln.

Angela Merkel© Duncan Hull via flickr CC BY 2.0

Weder Herr Laberer noch Herr Sigl halten die Maßnahmen in dem Gesetz insgesamt für sinnvoll. Zwar begrüßt Herr Sigl das Bekenntnis zur Elektromobilität aus der Politik. Jedoch hält er die Freigabe der Busspuren für wenig zweckdienlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Gremium in Berlin beschließen wird, dass man die Busspuren mit Elektroautos nutzt. Das würde schließlich zum Kollaps führen.“ Herr Laberer sieht auch eine flächendeckende Parkregelung, welche Elektroautos bevorzugtes Parken in Städten zum Aufladen ermöglicht, kritisch. Er könne sich jedoch vorstellen, dass dies die Nutzung von Elektroautos in der Carsharing-Branche befördern könnte: „Einen Ansporn kann ich mir unter Umständen aus diesem Gesetz eher für Carsharing vorstellen; etwa bei Flughäfen, bei denen die Anbindung im öffentlichen Personennahverkehr unzureichend sind.“

Mit Blick auf die Niederlande weist Herr Sigl auf einen flächendeckenden Ausbau der Infrastruktur hin, welcher seiner Ansicht nach als Maßnahme im Paket der Bundesregierung versäumt wurde. Auch Herr Laberer sieht in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf. Er weist darauf hin, dass die finanzielle Förderung von Elektroautos, wie in Frankreich angewandt, kaum sinnvoll sei. Dies sei vielmehr eine direkte Subvention der Automobilindustrie, welche die größere Verbreitung von Elektrofahrzeugen in Zukunft kaum begünstigen werde.

Zukunftsaussichten

In Bezug auf die Zukunft sind sich beide Experten einig, dass die Energiewende in der Mobilität kommen wird. Das gesteckte Ziel der Bundesregierung wirkt jedoch nicht realistisch, wie es Herr Laberer auf den Punkt bringt: „Die eine Millionen Elektrofahrzeuge bis 2020 werden wir wohl nicht erreichen.“

Die Meinungen über den richtigen Weg dorthin variieren leicht. Herr Laberer auf der einen Seite ist der Ansicht, dass Investition in die Forschung eine Verbreitung von Elektromobilität auch für den Mietwagen und Carsharing Bereich befördern würden: „Man sollte die Entwicklung fördern um die Reichweite zu verbessern. Wenn die Reichweite verbessert wird, wird es sicherlich auch massentauglicher werden.“ Herr Sigl auf der anderen Seite sieht eher Handlungsbedarf in Bezug auf den Ausbau der Infrastruktur sowie auf die Förderung von anwendungsbezogenen Projekten: „Dort, wo man Elektromobilität für Carsharing Angebote gezielt fördert, funktioniert es und wird von der Bevölkerung angenommen.“

Mit Blick auf die nächsten drei bis fünf Jahre ist Herr Sigl der Ansicht, dass auch auf Grund von kostengünstigeren Angeboten von Seiten der Automobilindustrie Elektrofahrzeuge stärker Einzug in die Mietwagenbranche halten werden: „Wenn das für die Mietwagenbranche attraktiv wird, wird es angenommen werden.“ So berichtete Herr Sigl, dass der Bundesverband eMobilität Anfang 2015 einen Kongress veranstalten wird, in dem er die Mietwagenfirmen und Leasinggesellschaften über Elektroautos sowie den Wert und das Potenzial eines Elekroautoakkus aufklären möchte. Auf diese Weise soll mehr Verständnis für die Technologie erreicht werden. Zusätzlich wird sich in Bezug auf Erdgasmobilität laut Herrn Laberer in den nächsten Jahren einiges bewegen: „Sowohl von Seiten der Automobil- wie auch der Energiebranche wird man etwas wacher und nimmt Erdgas als sinnvollen Kraftstoff wahr.“

Auch wenn sicherlich noch Einiges zu tun bleibt, so bietet sich in Zukunft die Möglichkeit für die Leihwagen- und Carsharing-Branche aktiv den Wandel zu alternativen Antrieben mitzugestalten. Herr Laberer erklärt, dass gerade dort eine breitere Akzeptanz für die neue Technologie erzeugt werden kann: „Es ist sicherlich sinnvoll, da diese Art Nutzern die Möglichkeit geben wird, Berührungsängste abzubauen und selbst Erfahrungen zu sammeln ohne direkt mit den hohen Anschaffungskosten konfrontiert zu werden.“  

Last modified on Donnerstag, 08 Januar 2015 16:18
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