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Donnerstag, 14 September 2017 15:27

Elektroautos: Zwischen Hoffnung und Wirklichkeit

geschrieben von  Andreas Weber
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Das sagen uns die Verkaufszahlen

Der französische Umweltminister hat vor Kurzem seine Pläne für die Klimapolitik vorgestellt. Unter anderem soll in Frankreich der Verkauf von Diesel- und Benzinautos bis zum Jahr 2040 eingestellt werden, um in kommenden Jahren weniger vom schädlichen Treibhausgas CO2 abzustoßen. Andere Länder sind ebenfalls ambitioniert, so wollen unsere Nachbarn in den Niederlanden das gleiche Ziel bis 2035 verfolgen. In Norwegen ist bereits jedes dritte Auto ein Elektroauto, da scheint es realistisch, dass Norwegen ab 2025 weg vom Verbrennungsmotor sein möchte. Heutzutage fahren 2 Millionen Elektroautos auf den Straßen weltweit, davon wurden 750.000 allein 2016 verkauft.

Steigende Verkaufszahlen und umweltfreundliche Initiativen wie diese, treiben einige Autohersteller an, mit Weitblick zu handeln. So hat der schwedische Autohersteller Volvo angekündigt, dass jedes Neufahrzeug ab 2019 einen Elektromotor haben wird.

In Deutschland hingegen erhöht sich er Marktanteil an Elektroautos nur mit schleichendem Tempo. Der Marktanteil hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt und liegt jetzt bei 1,3%. Insgesamt ist das eine ernüchternde Anzahl an Elektrofahrzeugen. Statista zufolge fahren in Deutschland 34.022 Elektrofahrzeuge (Stand: 01.01.2017).

Wir haben Elektromobilität in Deutschland mit einigen anderen Ländern verglichen und uns dazu Statistiken angeschaut und haben die Unterschiede in folgenden Infografiken veranschaulicht.

Infografik Elektroauto Daten und Fakten

Ladeinfrastruktur – kritik vorprogrammiert

Eine der größten Hürden stellt das Laden der Elektroautos dar. Die geringe Reichweite, die ein Stromer erreichen kann und die langen Ladezeiten, scheinen viele Käufer abzuschrecken. In Deutschland sind größere Ballungsräume und Großstädte wie zum Beispiel in Bayern, Hessen und Hamburg dicht mit Ladestellen besiedelt. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen kommen an zweiter Stelle. Die wenigsten Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. In solchen ländlichen Gebieten gestalt sich der Betrieb und die Fahrt mit einem Stromer etwas schwieriger durch die niedrige Reichweite des Elektroantriebs. Im Durchschnitt kommen laut der oben genannten Studie in Deutschland fünf Elektroautos auf eine Lademöglichkeit.

Hinzu kommen die hohen Kosten eines Fahrzeugs ohne Verbrennungsmotor. Die Ladeinfrastruktur hat sich schon deutlich verbessert und laut einer Studie des „European Alternative Fuels Observatory“ (EAFO) gibt es in Deutschland mehr als 20.000 Ladepunkte (diese beinhalten alle Möglichkeiten ein Elektroauto zu laden) und wir liegen damit in unserem Europavergleich an zweiter Stelle. Die Niederlande sind noch an der Spitze. Eine so fortschrittliche Ladeinfrastruktur auf einer kleineren Fläche kann sehr vorteilhaft für die Elektromobilindustrie in den Niederlanden sein, denn es ist wahrscheinlich, dass kürzere Strecken öfter gefahren werden als in Deutschland über die Autobahn mit höherer Geschwindigkeit.

Es ist davon auszugehen, dass der Trend zu einer dichteren Ladeinfrastruktur in kommenden Jahren weiter steigen wird. Hinzu sollen in Zukunft auch mehrere Schnellladesysteme kommen. Das Bundesverkehrsministerium hat Fördergeld für den Aufbau von 5.000 Schnellladestationen freigegeben, die bis 2020 aufgebaut werden sollen. Gelichzeitig hat die Bundesregierung ihr ambitioniertes Ziel, 1 Millionen Elektroautos zu diesem Zeitpunkt auf deutschen Straßen zu haben einkassiert. Um die Verkaufszahlen auch in Deutschland zu erhöhen, müssen jedoch noch mehere Faktoren, die zu einem Kauf führen, ausgebaut werden.

Infografik zur Ladeinfrastruktur in Europa

Förderprogramme – im internationalen vergleich

Viele Länder haben Initiativen eingeführt, um den Verkauf von Elektroautos anzutreiben und diese auch etwas erschwinglicher für Konsumenten zu machen. In den Niederlanden geschieht dieses durch Befreiung der KFZ-Steuer für Elektroautos. In Großbritannien fällt die KFZ-Steuer auf ein Fahrzeug mit Elektroantrieb auch wesentlich geringer aus. In Frankreich sind Dieselfahrzeuge besonders beliebt und weit verbreitet. Franzosen bekommen einen Bonus von 10.000 €, wenn das Dieselauto für ein Elektroauto umgetauscht wird. In Deutschland erhalten Fahrer seit Mai 2016 eine Kaufprämie von 4000 € für den Erwerb eines Elektroautos, dieser Bonus greift nur langsam und es haben bisher nur wenige zu dem Fördergeld gegriffen. Die Befreiung der KFZ-Steuer in Deutschland scheint auch keine große Anregung zu sein, da die Premie zwar einen Kaufanreiz darstellt jedoch die hohen Anschaffungskosten damit immernoch nicht erschwinglich sind für Ottonormalverbraucher. Dies richtet sich nach der Erstzulassung des Fahrzeugs. Wird ein Elektroauto zum ersten Mal zwischen dem 18.05.2011 und dem 31.12.2020 zugelassen, dann ist der Fahrer für 10 Jahre von der KFZ-Steuer befreit.

Es wird an vielen Fronten daran gearbeitet, Elektromobmobilität attraktiver für die Deutschen zu machen. Verminderte Batteriekosten und erschwinglichere Anschaffungskosten für den Durchschnittsverbraucher werden in Zukunft mit anderen Vorteilen, sowie einer ausgereiften Ladeinfrastruktur und verbesserten Technologien den Umsatz von Elektroautos in Deutschland steigern, vielleicht werden dann finanzielle Anreize von Konsumenten auch in Anspruch genommen.

Verbrennungsmotor vs. Elektroantrieb

Der Hauptbeweggrund, der für den Elektroantrieb spricht ist ganz klar die Klimafreundlichkeit. Aber ist Strom tatsächlich die nachhaltigere Alternative? Die Herstellung der Batterien, die die Elektromobilität ermöglicht, ist sehr ressourcenaufwendig. Einer Studie der Schwedischen Energieagentur zufolge produzieren E-Autos ähnlich viel Treibhausgas wie Dieselautos, wenn zur Produktion Strom verbraucht wird, der in herkömmlichen Kohlekraftwerken generiert wird. Außerdem zu bedenken ist die erhöhte Belastung des Stromnetzes. Die Verbände der Energie- und Wasserwirtschaft in den traditionellen Autoländern Bayern und Baden-Württemberg warnen bereits jetzt vor einem Stromengpass, sollten vermehrt Elektroautos Energie vom Netz zapfen.

Im Vergleich zum Elektroantrieb schneiden herkömmliche Pkws preislich erheblich besser ab. Dies haben unsere Recherchen, die wir zum Thema Elektromobilität getätigt haben, bestätigt. Dazu haben wir die zwei in Deutschland beliebtesten Pkws beider Antriebskategorien in einem Vergleich gegenübergestellt. Wie unsere Infografik zeigt, hat der Nissan Leaf Visia in nur einem einzigen Punkt den Vorteil gegenüber den VW Golf TDI Diesel, und das sind klimafreundlichere CO2-Emissionen. Der Nissan Leaf ist auf den ersten Blick die teurere Anschaffung, jedoch sollte man nicht vergessen, dass ein Stromer auf lange Sicht auch preiswerter wird, wenn man zusätzliche Kosten wie Steuern und Tankkosten in Betracht zieht. Außerdem ist das E-Auto auch weniger reparaturanfällig und die einfachere Technik bedeutet, dass man beim Kfz-Mechaniker nicht so tief in die Tasche greifen muss.

Für welches dieser beiden Fahrzeuge würden Sie sich entscheiden?

Infografik Diesel und Elektroauto im Vergleich
Letzte Änderung am Montag, 18 September 2017 15:52
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